Facebook Fanpage Tricks Vol. 2

Usability hat zu Recht inzwischen als Agendapunkt Einzug in die Konzeption von Projekten  gehalten. Wer sich tiefgreifend mit dieser Materie auseinandersetzt, weiß, dass die Umsetzung häufig viel schwieriger ist, als es die Theorie vermuten lässt. Das liegt auf der Hand, immerhin ist der Weg zum nutzergerechten Design oft steinig und es gibt Vieles zu beachten. Macht man sich allerdings die Mühe, so wird das Ergebnis für sich sprechen. Wenn man nun beim Erstellen von Webapplikationen deren Nutzbarkeit größere Aufmerksamkeit schenkt, warum dann beim Erstellen von Fanpages pfuschen?

Wie immer steht und fällt alles mit einem fundierten Konzept. Stichwort Usability: die Spezies Mensch kann am besten mit einer strukturierten Umgebung umgehen. Also die Ärmel hochgekrempelt und ein Plan entwickelt.
Nach der anfänglichen Ideensammlung und -bewertung sieht man sich jedoch zunehmend mit der Entscheidung konfrontiert, zwischen Alternativen der Umsetzung wählen zu müssen. Ein solches Dilemma kann sich bei der Arbeit an Fanpages dadurch ergeben, dass man sich von vornherein in einem fremden Kontext bewegt und präsentiert. Die zu treffende Entscheidung ist also, ob man seine Inhalte stilistisch an Facebook angleicht, oder das Layout betont davon abhebt. Variante eins birgt Homogenität und das Gefühl den gewohnten Nutzungskontext nicht zu verlassen. Variante zwei die Möglichkeit gezielt und differenziert Emotionen anzusprechen. Als sehr gelungene Umsetzung eines facebook-nahen Layoutes kann wohl ohne Zweifel die Shopapplikation gelten, die smatch.com seinen Partnern wie frontlineshop.com anbietet.

Dem gegenüber präsentiert sich Mercedes Benz betont differenziert vom Layout der umgebenden Plattform.

Im direkten Vergleich wird die Motivation der unterschiedlichen Umsetzungen offenbar. Mercedes Benz lebt vom Image „mehr“ als nur ein Automobilhersteller zu sein. Es geht bei der Fanpage demnach primär darum, dieses Bild gezielt mit den Mitteln des eigenen Coporate Designs in den Köpfen der Betrachter zu verankern. Frontlineshop.com hingegen hat weniger Interesse daran, sich dem potenziellen Kunden gegenüber als Unternehmen zu materialisieren. Der Fokus liegt eben nicht auf der Präsentation der Firma, sondern auf eher den Produkten.

Weiterhin muss überlegt werden, wieviel Informationen man auf einer Fanpage überhaupt unterbringen möchte. Fest steht, je mehr Informationen man unterbringen will, desto höher ist die Gefahr der Unübersichtlichkeit. Gleichzeit steigt die Notwendigkeit einer Struktur, die das Navigieren vereinfacht.

Im Bezug auf Fanpages ist hier die Anzahl an Tabs das zu betrachtende Nadelöhr. Jede Seite einer Fanpage wird über einen Reiter mit maximaler Breite von 106 Pixel angesprochen. Angesichts der verfügbaren Gesamtbreite von 520 Pixel schieben sich „überschüssige“ Reiter in eine Erweiterungsliste, die über das Pfeilsymbol rechts in der Navigation aufgerufen werden kann. Das bedeutet, dass nicht mehr als sechs Reiter zur gleichen Zeit in der Navigation erscheinen. Es besteht also die Eventualität, dass Informationen auf Seiten in der Erweiterungsliste leicht übersehen werden können, da sie nicht im visuellen Fokus stehen. Die Begründung hierfür liegt im Layout der Navigationsleiste. Das Pfeilsymbol hat diesbezüglich mit zwei Nachteilen zu kämpfen. Unglücklicherweise nimmt es den letzten Platz in der Navigationsleiste ein. Zusätzlich präsentieren sich die übrigen Tabs, abgesehen vom aktiven Reiter, in zartem Pastellblau mit dunkelblauer Schrift. Betrachtet man nun Heatmaps, die im Zuge von Usability-Tests via Eyetracking entstanden sind, wird das Problem schnell offenbar. Für gewöhnlich wird der Content einer Webapplikation in Form eines „F“ erfasst.

F Reading Pattern Eyetracking

F Reading Pattern Eyetracking

Anschaulich wird hierbei, dass grundlegend die Position der Navigationsleiste nicht die Schlechteste ist. Problematisch allerdings ist der Umstand, dass die Aufmerksamkeit nach rechts hin abnimmt, soweit kein Item den Blick des Betrachters auf sich zieht.

Im Bezug auf Customtabs erweisen sich deren vorgeschriebene Abmaße als Flaschenhals. 520 Pixel – das ist wahrlich nicht viel, um große Mengen Content nebeneinander unterzubringen. Da liegt ein Argument natürlich auf der Hand, denn die verfügbare Höhe ist nicht beschränkt. Scrollen bedeutet zwar Arbeit, grundsätzlich aber kein Nachdenken. Fest steht allerdings, dass je länger ein Customtab ist, desto mehr Inhalt liefert er. Sofort wird wieder die Erinnerung an Proportionalität zwischen der Informationsmenge und dem Anspruch auf Strukturierung wach.

Ist weniger also mehr oder bringt viel auch viel? Fest steht: dem Erfolgsfaktor Usability muss bereits in der Konzeption mehr Beachtung geschenkt werden. Das darf aber nicht das einzige Mal sein, dass man sich über die Gebrauchstauglichkeit von Applikationen auf Facebook Gedanken macht. Denn die stetige Dynamik bedingt auch eine stetige Anpassung. Dieser Faktor ist speziell im Kontext eines sozialen Netzwerkes erfolgsentscheidend. Immerhin sind Menschen hier noch viel weniger als sonst im Netz explizit auf der Suche nach Informationen, was den Anspruch steigert, sie erst gar nicht suchen lassen zu müssen.

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